Zeigen, wo Barthel den Most holt • anderline - Kreativagentur in Zürich
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12. Dezember 2018

«Ich zeig dir, wo de Bartli de Most holt» (zu dt. Zeigen, wo Barthel den Most holt)

Wieso eigentlich?

Erste literarische Quellen dieser Redewendung lassen sich im 17. Jahrhundert finden. Die Entstehung hingegen ist höchst umstritten und bedient sich diversen Erklärungsversuchen. Um euch jetzt nicht zu langweilen, nachfolgend die drei Geläufigsten kurz resümiert:
  1. Eine Theorie besagt, dass die Redewendung aus der Gaunersprache stammt und die beiden hebräischen Wörter בַּרזֶל‎ (CHA: barzæl) ‚Eisen‘ und מָעוֹת‎ (CHA: māʿōt) ‚Geld, Münzen‘ vereint. Die Volksetymologie hätte dann die hebräischen Wörter zu Barthel und Most umgedeutet. Dementsprechend wäre die Bedeutung der Redewendung, dass man weiss, wie man mithilfe eines Brecheisens an Geld kommt.
  2. Einer sächsischen Sage zufolge geht der Ausdruck auf einen deutschen Schankwirt namens Bartholomäus Zimmer zurück. Wir schreiben das frühe 16. Jahrhundert –  Meissen, nahe der polnischen Grenze. Eben jener Bartholomäus war für seinen grossen Sachverstand auf dem Gebiet des Weines bekannt. Er bezog Weine nur aus den besten Lagern und unterhielt selbst eigene Weinberge. Somit ist nicht verwunderlich, dass bei diesem Mann nur die edelsten Weinerzeugnisse vorzufinden waren. Barthel wusste also, wo man den Most holt. Diesbezüglich wurden zusätzlich folgende Knittelverse aufgefunden: 
  3. Eine weitere Deutung der Redewendung ordnet deren Herkunft im Rheinland ein. Wieder dreht sich der Kern der Geschichte um den süssen Alkohol der Traube. Der damals gängigen Bezeichnung der Kalendertage nach katholischen Heiligen gemäss war der 24. August gemeinhin als St. Bartholomäustag bekannt. Für frischen Wein war es zu dieser Jahreszeit eigentlich viel zu früh, beginnt doch die Lese der Trauben erst Ende Oktober. Scheinbar gelang es aber dennoch einigen cleveren Bauern, mit Hilfe einer guten Lage der Reben und einem guten Schnitt der Weinstöcke, die Trauben schon eher zu ernten und somit schon früher guten Wein anbieten zu können. Wer also diese Faktoren beherzigte, wusste, wo Barthel den Most holt.
Textquellen
  • Klaus Müller (Herausgeber): Lexikon der Redensarten. Herkunft und Bedeutung deutscher Redewendungen. Bassermann Verlag, München 2005, ISBN 3-8094-1865-X, DNB 974926760, „wissen, wo (der) Barthel den Most holt“, Seite 48
  • Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2002, ISBN 3-411-04112-9, „wissen, wo Barthel den Most holt“, Seite 95
  • Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 1867: Barthel
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