Ich glaub, mich laust der Affe • anderline - Kreativagentur in Zürich
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31. Januar 2019

«Ich glaub, mich laust der Affe!» 

Wieso eigentlich?

Unsere pelzigen Artgenossen mussten schon seit jeher für viele (oft sehr herabwürdigende) Redewendungen ihren Namen hergeben. Phrasen wie ‘Sich zum Affen machen’ oder ‘ein Affentheater veranstalten’ sind oft fester Bestandteil unserer Alltagssprache geworden. Neben den soeben erwähnten Einbindungen, bei welchen der Sinn meist noch offensichtlich erscheint, finden sich auch diverse Redewendungen, bei denen die Entstehung äusserst schleierhaft ist. Deswegen erklären wir euch hier die Bedeutung der auf den ersten Blick sinnfreiesten “Affen-Redewendungen”:
«Einen Affenzahn draufhaben»
In alter Zeit wurde dem Affen aufgrund seiner unbestreitbaren Ähnlichkeit zum Menschen eine Art teuflische Karikatur der göttlichen Menschennatur nachgesagt. Seine Attribute der Wendigkeit und Geschicklichkeit wurden ihm zum Verhängnis. Von etlichen Autoren des Mittelalters wurden die pelzigen Tierchen mit Schnelligkeit assoziiert. Somit wäre der “Affen”-Teil erklärt. Was aber verbindet den “Zahn” mit dieser Redewendung? Um diesen Aspekt nachvollziehen zu können, muss man erstmal verstehen, dass nicht der menschliche Zahn, noch das knöcherne Weiss im Mund eines Tieres gemeint ist, sondern der metallene Namensvetter einer alten Dampflokomotive und deren Zahnstangen-Temporeglern. Die schlichte Vorstellung, dass mehr Zähne auch zu einer höheren Geschwindigkeit führen, verbindet den Zahn ebenfalls mit Schnelligkeit. Kombiniert man diese beiden Anekdoten, so erhält man die absurd klingende Redensart: “Einen Affenzahn draufhaben.”
«Klappe zu, Affe tot.»
Die Herkunft dieser Redewendung konnte bisher wie so oft nicht vollends geklärt werden. Es gibt jedoch diverse Quellen, die deren Ursprung dem Schausteller- und Zirkusgewerbe zuordnen. Für uns scheint dies zumindest die Plausibelste aller Erklärungen zu sein. Demzufolge wurden in früheren Jahrhunderten potentielle Zuschauer an einem Jahrmarkt zum Beispiel mit einer Art Kostprobe, einem kleinen – im übertragenen Sinne – Hors d’Oeuvre an die Kassen gelockt. Hier musste ein kleines Äffchen, welches in einer Holzkiste zur Schau gestellt wurde, herhalten. Anzumerken ist hier, dass dressierte Affen zu jener Zeit zu den Hauptattraktionen und Publikumslieblingen eines Zirkus’ gehörten. Wenn eines Tages die letzte Stunde des süssen Äffchen geschlagen hatte, blieb die Klappe der Kiste geschlossen und für jeden (Affen)Narr war klar: Es findet keine Vorstellung statt. Deswegen sagt man heute noch, wenn eine Sache als erledigt, abgeschlossen erachtet wird: “Klappe zu, Affe tot.”
«Ich glaub, mich laust der Affe!»
Analog zum vorhergehenden Beispiel finden wir uns auch hier auf einem Jahrmarkt des letzten Jahrhunderts wieder (Randnotiz: Diese armen Affen scheinen beim Publikum tatsächlich sehr begehrt gewesen zu sein). Oft traf man auf solchen ausgelassenen Volksfesten auf Gaukler, die mit ihren Affen den herumstehenden Pöbel unterhielten. Nicht selten kam es vor, dass die kleinen Burschen kurzerhand auf die Schultern von unschuldigen Zuschauern hechteten. Die Betroffenen staunten nicht schlecht, als diese begannen, so zu tun, als ob sie deren Haare von Läusen befreien würde. Die Reaktion der “Gelausten” führte bei der umherstehenden Menge unvermittelt zu noch mehr Gelächter. Deshalb ruft man heute noch, wenn man sehr erstaunt ist oder einem etwas völlig überraschend erscheint: “Ich glaub, mich laust der Affe!”